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Die Weinberge der Schützen

Die Ahrweiler Sankt Sebastianus Bürgerschützen-Gesellschaft ist die einzige deutsche Schützengesellschaft - und auch wohl weltweit die Einzige - mit gesellschaftseigenem Weinbau. Ihre Weinbautradition kann bereits im Jahr 1609 belegt werden und ist somit über 400 Jahre alt. Derzeit bauen die Bürgerschützen die für das Weinanbaugebiet "Ahr" typische Rebsorte Spätburgunder aus. Unterstützt durch das Weingut J.J. Adeneuer entsteht hieraus der Ahrweiler Schützenwein als "Forstberg Spätburgunder trocken", "Ahrweiler Spätburgunder halbtrocken" und "Blanc de Noir trocken". Das die Qualität unseres Schützenweins stimmt, zeigen zahlreiche Prämierungen, u.a. die mehrfache Auszeichnung "Gold" der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.

 

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    Unsere zum Verkauf stehenden Gesellschaftsweine

     

    Ahrweiler Schützenwein   Ahrweiler Schützenwein Ahrweiler Schützenwein
             
    ahrweiler schuetzenwein 5 1 m   ahrweiler schuetzenwein 5 1 m   ahrweiler schuetzenwein 5 1 m
    Spätburgunder -trocken-   Spätburgunder -halbtrocken-   Blanc de Noir -trocken-
    Preis 7,50 €
      Preis 7,50 €
      Preis 7,50 €

     

     

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  • Ahrweiler Forstberg
    Eine Hanglage zwischen Stadt und Höhenwald, also in Forstnähe, oder aber der Name rührt vom ehemaligen Ahrweiler Adelsgeschlecht "von der Vorst" her.
    Größe: 23,13 ar
    Steillage: Süden-Südwesten
    Sorten: 80 % Spätburgunder, 15 % Portugieser, 3 % Dornfelder, 2 % Dunkelfelder
    Boden: Überwiegend Grauwacke (stark lehmiger Steinboden), daneben Schiefer (stark lehmiger Schieferboden, Löß auf Grauwacke und Lößlehm auf Schiefer).
    Charakter: Auf Grauwacke und Schiefer reife Frucht, elegant im Bukett und Geschmack. Bei Löß- und Lößlehmüberlagerungen körperreichere und säureärmere Rotweine.

     

    Bachemer Karlskopf
    Der Karlskopf hieß bis zur preußischen Katasteraufnahme 1828/30 "Kallert". Er wurde dann "verhochdeutscht" und Karlskopf kam heraus.
    Größe: 27, 94 ar
    Steillage: Südwesten-Westen, Typische Frühburgunderlage der Ahr
    Sorten: 50 % Spätburgunder, 15 % Frühburgunder, 15 % Portugieser, 5 % Müller-Thurgau, 5 % Dornfelder, 5 % Dunkelfelder, 5 % Riesling
    Boden: Lößlehm (Lehm und schwach steiniger, sandiger Lößlehm)
    Charakter: Sehr duftig, volle Frucht, wuchtige Art

     

  • Nach den Bestimmungen des Deutschen Weingesetzes von 1971 unterliegen Qualitätsweine aus deutschen Weinanbaugebieten einer amtlichen Qualitätsprüfung mit einer dabei verliehenen Prüfungsnummer. Bestandteil dieser mehrstelligen Nummer sind die Kennzahlen der Prüfstelle, die Ortskennzahl und die Betriebskennzahl.

    Die historische Ahrweiler St. Sebastianus Bürgerschützen-Gesellschaft, die im Jahre 2003 ihr 600-jähriges Bestehen feiert, ist die einzige deutsche Schützengesellschaft - und auch wohl weltweit die Einzige - mit gesellschaftseigenem Weinbau und somit einer eigenen amtlichen Prüfungsnummer: „A.P.1791447"; hierbei stehen „1" für das Anbaugebiet der Ahr, „791" als Ortskennzahl für Ahrweiler und „447" für die Schützengesellschaft. Der Wein aus gesellschaftseigenem Anbau ist für die Schützen Begleiter sowohl bei offiziellen Zusammenkünften als auch bei rein gesellschaftsinternen Festveranstaltungen. Es stellt sich daher die Frage nach der geschichtlichen Entwicklung dieser Beziehung der Schützengesellschaft zum Wein, der gemäß Ratsprotokoll vom 22. November 1602 „dieser ortt die vornemste narung ist".

    Weit in die Geschichte der Stadt zurückreichende Urkunden, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden, bringen immer wieder die Schützen und den Wein in Verbindung. In den Ahrweiler Stadtrechnungen, die zum großen Teil von 1407 an erhalten sind, werden gleich in den ältesten Belegen und fortan bis in das 17. Jahrhundert Spenden an Wein und Geld für „onse Schützen" nachgewiesen.

    Im 17. Jahrhundert bildet sich sogar der Brauch heraus, das Königsschießen nur abzuhalten nach einer guten Weinlese im voraufgegangenen Jahr, wie es auch noch bis weit in das 19. Jahrhundert üblich gewesen ist. Wann die St. Sebastianus-Bürgerschützen damit begonnen haben, selbst Wein anzubauen, ist in den Jahrhunderte alten Akten und Unterlagen des Schützenarchivs wie auch im Stadtarchiv festzustellen.

    In Ratsprotokollen des Jahres 1694 ist erstmals vom Weinbau der Schützen die Rede. Die Stadt Ahrweiler hatte damals den Schützen den Stadtgraben zwischen dem Niedertor und dem Adenbachtor mit einem Bestand an Nussbäumen und anschließenden Weingärten zur Nutzung überlassen. Im 18. Jahrhundert gaben die Schützen den Graben an die Stadt zurück und erhielten als Ausgleich Teile des Sebastianus- und des Johanniswalls, auf denen sie Weingärten anlegten. Durch Stiftungen konnten die Schützen weiterhin ihren Weinbergsbesitz vergrößern; er war zeitweise weitaus größer als heute.

    Der letzte Stifter war übrigens Schützenbruder Josef Wolschläger, der gemäß notarieller Urkunde vom 28. Februar 1924 den Schützen einen Weinberg von 17 ar „Im Valder" – heute „Im Silberberg" – übertrug.

    Gemäß einem Sitzungsprotokoll des Verwaltungsrates der Gesellschaft aus dem Jahr 1836 besaß diese, neben den Weingärten auf den Wällen, Weingärten in den Lagen „Auf Hammerstein", „Im Dümerich", „Im Alverad" und „Am Kaubaum".

    Die Wall-Wingerte wurde 1875 und 1878 verkauft und dafür Weinberge „Auf dem Forstberg", „An der Anna-Kapelle" und „Im Thurmberg" erworben. 1926 musste man sich von einem Teil des Besitzes trennen. Es verblieben im Besitz der Schützen gemäß Sitzungsprotokoll vom 23. November 1926 noch 16 ar im Forstberg, 6 ar im Thurmberg, 6 ar im Dümmerich, 17 ar im Valder. Die beiden angeführten kleineren Flächen im Thurmberg und Dümmerich wurden 1974, weil unrentabel, verkauft, da sie nicht maschinell bearbeitet werden konnten. Für den Erlös erwarben die Schützen günstigere Flächen „Im Forstberg". Der Weinberg „Im Valder" wich 1975 dem Bau der Umgehungsstraße.

    Als Ersatz wurde zunächst ein Weinberg „Im Bachemer Karlskopf" der Gesellschaft von ihrem Schützenbruder und Oberleutnant Paul Winnen bis zum Beginn der Flurbereinigung in Bachem zur kostenlosen Nutzung überlassen. Erst 1987 konnte der Erlös aus dem Verkauf des Weinbergs „Im Valder" für den Kauf eines Weinbergs „Im Bachemer Karlskopf" verwendet werden. Zur Zeit werden auf einer Fläche von ca. 20 ar „Im Forstberg" Spätburgunder und auf weiteren ca. 28 ar „Im Karlskopf" Frühburgunder erzeugt.

    Die Trauben aus den Wingerten der Gesellschaft wurden früher nicht selbst gekeltert und zu Wein ausgebaut. Sie wurden vielmehr, wie auch die Trauben aus städtischem Besitz und dem Besitz der Ahrweiler Pfarrkirche, meistbietend versteigert oder auch aus freier Hand verkauft. Aus dem Erlös der Traubenernte kaufte die Gesellschaft Rotwein, soweit sie ihn für das jährliche Patronats- und das Schützenfest benötigte. Erst aufgrund der Geldentwertung durch die Inflation in den zwanziger Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ließ der Verwaltungsrat den Wein ausbauen, zunächst bis 1933 an der heutigen Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt.

    Von 1934 bis 1977 – Beginn der Flurbereinigung – übernahm der Ahrweiler WinzerVerein Ausbau und Pflege des Weins der Schützen. Von 1978 bis 1988 zeichnete Schützenbruder und Oberleutnant Otto Schäfer vom Weingut Wilhelm Schäfer für die Herstellung der Weine verantwortlich. Seit 1988 nun hat das Weingut J. J. Adeneuer, die Gebrüder Frank und Marc Adeneuer, diese Aufgabe über­nommen. Für die Flaschenbefüllung der Weine aus dem gesellschaftseigenen Weinbergsbesitz wurden immer auch besondere Etiketten verwendet. Das früher, bis 1975 zulässige und gebräuchliche Etikett trug nur die Bezeichnung „Schützenwein", ohne weitere Angaben zu Jahrgang, Weinbergslage, Rebsorte und Qualitätsstufe. Es zeigte in der Mitte die Huldigungs-Medaille von König Friedrich Wilhelm IV von Preußen, links und rechts daneben Vor- und Rückseite der Schützenmedaille der Gesellschaft.

    Das seit 1976 verwendete Etikett entspricht den Vorschriften des deutschen Weingesetzes. Es wurde von Schützenbruder Franz Ulrich, Mitglied des Elitekorps, entworfen und zeigt die stilisierte Silhouette der Stadt Ahrweiler mit dem Ahrweiler Stadtwappen und einem Landsknecht. Text – Jahrgang, Weinbergslage, Reb­sorte und Qualitätsstufe sowie amtliche Prüfnummer – werden je nach Bedarf eingedruckt. Zum Erhalt der Prüfnummer müssen die Weine der Schützen analysiert und dem Weinbauamt Koblenz eingereicht werden; andernfalls dürften sie nur als Tafelwein gekennzeichnet werden. Von dieser Prüfung her war es nur ein kleiner Schritt für die St. Sebastianus-Bürger-Schützen-Gesellschaft ihre Weine bei der Weinsiegelkommission, der Landwirtschaftskammer Rhein­land-Pfalz und bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) zur Prämierung anzustellen.

    So erhielt die Gesellschaft 1983 erstmals eine bronzene Kammerpreismünze für einen 1982er Ahrweiler Forstberg, Spätburgunder, Qualitätswein b.A. Seither wurde der „Schützentrunk" immer wieder – neben dem Weinsiegel – mit Prämierungen sowohl durch die Landwirtschaftskammer wie auch durch die DLG bedacht. So erhielten der 1997er Ahrweiler Forstberg, Spätburgunder, Qualitätswein, trocken das Deutsche Weinsiegel in gelb (trocken), die Silberne Kammerpreismünze und den Goldenen DLG-Preis. Der 1997er Bachemer Karlskopf, Frühburgunder, Qualitätswein, halbtrocken, das Deutsche Weinsiegel in grün (halbtrocken), die Silberne Kammerpreismünze und den Silbernen DLG-Preis.

     

  • Der Weinanbau aus Sicht des Schatzmeisters

     

    Liebe Schützenbrüder!
    Ist es wirklich richtig, dass wir Schützen eigenen Wein haben?
    Warum haben wir eigentlich eigene Weinberge?
    Ist das Ganze nicht sogar ein Zuschussbetrieb?

    Dies sind Fragen, liebe Schützenbrüder, die mir in dem einen Jahr, in dem ich nun Schatzmeister unserer Gesellschaft bin, des Öfteren zu Gehör kamen. Mir wird dabei bewusst, dass die Frage, ob es nun wirklich Sinn macht, dass wir Bürgerschützen eigene Weinberge und damit eigenen Wein haben, innerhalb der Gesellschaft, also unter uns Schützenbrüdern selbst, teils lebhaft diskutiert wird.

    Ich gebe offen zu, dass ich, bevor ich in das Amt des Schatzmeisters gewählt wurde, mir diese Fragen auch schon einmal gestellt habe. 

    Das vergangene Jahr gab mir jedoch die Gelegenheit, mich mit dem Thema „Wein und Weinberge“ der Bürgerschützen sehr intensiv auseinander zu setzen. Denn zu den wesentlichen Aufgaben des Schatzmeisters unserer Gesellschaft gehört insbesondere die administrative Abwicklung der Weinberge und der Weinverwaltung.

    Wenn man sich also mit dieser Fragestellung näher auseinandersetzt, wenn man die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit, eigenen Wein und eigene Weinberge zu besitzen, stärker hinterfragt, so kommt man aus meiner Sicht im Ergebnis auf eine recht eindeutige Antwort.

    Die Erkenntnis, die mich zu dieser Antwort geführt hat, ist aber sehr vielseitig. Da gibt es bei der näheren Betrachtung geschichtliche, kulturelle und auch rein wirtschaftliche Dimension. Und diese Blickrichtungen möchte ich, bevor ich die für mich eindeutige Antwort gebe, erst einmal näher erläutern.

    Da ist zunächst einmal die geschichtliche Seite.
    Seit der nachweislichen Gründung unserer Gesellschaft im Jahre 1403 gibt es immer wieder Hinweise, dass unsere Gesellschaft sehr verhaftet ist mit dem Weinbau.
    Bereits 1487 belegt die älteste Stadtrechnung, dass die Schützen anlässlich des Vogelschießens Wein von der Stadt ausgeschenkt bekamen. Unser König und Archivar Hans-Georg Klein kommt bei der näheren Betrachtung hier zum Schluss, dass hierin sogar die Anfänge unseres Trinkzuges liegen könnten.

    Im Jahr 1609 wird es nun interessant.
    Im Ratsprotokoll vom 16. Oktober 1609 ist folgendes zu lesen.
     “Peter Schoenen hat den Schützenweinberg in Händen und hat etliche Jahre die Pacht davon nicht mehr entrichtet. Deshalb bitten die Schützen, ihm den Weingarten wegzunehmen. Der Rat befiehlt dem Schoenen, mit dem Schützenmeister die Rechnung zu halten und seine Schulden zu begleichen“.

    Damit haben wir also den ältesten Beleg für einen eigenen Schützenweinberg. Also seit nunmehr 400 Jahren sind Weinberge im Besitz unserer Gesellschaft.
    Immer wieder sind in den Stadtrechnungen und auch den Ratsprotokollen Bezüge zwischen der Stadt, der Schützengesellschaft und dem Wein zu finden.

    Ganz ursprünglich lagen die gesellschaftseigenen Weinberge ganz in der Nähe der Stadt. Zunächst am Stadtgraben zwischen Niedertor und Adenbachtor. Im 18. Jahrhundert gab die Gesellschaft die Weinberge an die Stadt zurück und erhielt dafür Parzellen an der Innenseite der Stadtmauer, teilweise am Johanniswall, teilweise am Sebastianuswall. Hier wurden dann neue Weinberg angelegt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Weinberge an der Stadt verkauft und neue Parzellen in den verschiedenen Terrassenlagen erworben.

    Durch Stiftungen wurde der Weinbergsbesitz stetig erweitert. Die letzte Stiftung erhielt unsere Gesellschaft im Jahre 1924. Immer wieder wurden von da an Weinberge verkauft und an anderer Stelle neue Weinbergsparzellen gekauft.

    Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts findet sich ein Weinberg flurbereinigt im Ahrweiler Forstberg im Besitz unserer Gesellschaft. Dieser ist 23,13 Ar groß. Im Jahr 1987 wurde aus dem Verkaufserlös anderer Parzellen ein Weinberg in der Gemarkung Bachemer Karlskopf erworben. Dieser ist 27,94 Ar groß.
    Somit verfügt unsere Gesellschaft heute über eine Gesamtfläche an Weinbergen von rund einem halben Hektar. Sowohl die Parzellen Ahrweiler Forstberg als auch Bachemer Karlskopf sind mit Spätburgunder-Trauben bestockt.

    Eine eigene Weinherstellung erfolgte jedoch erst sehr spät. Bis zum Jahre 1923 wurden die Trauben entweder verkauft oder gegen Wein eingetauscht. Die Gesellschaft kannte also bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen eigenen Gesellschaftswein.
    Dies begann erst im Jahre 1924. Von diesem Jahr an bis zum Jahre 1933 wurde die Ernte in die damalige Weinbauschule an der Walporzheimer Straße gebracht. Hier wurde erstmals aus den eigenen Trauben der Gesellschaft eigener Wein für die Mitglieder der Gesellschaft hergestellt. Mit den Qualitätsergebnissen der Jahre 1932 und 1933 waren die damaligen Schützenbrüder jedoch nicht zufrieden. Daraufhin bot der damalige Präsident des Ahrweiler Winzervereins, das Mitglied des Königsgliedes Theo Knieps, an, den Schützenwein in der Ahrweiler Genossenschaftskellerei auszubauen. Dabei wurde jedoch nicht wie heute aus dem Lesegut der Gesellschaft auch der eigentliche Schützenwein hergestellt. Nein, das Lesegut kam in die große Masse der Anlieferungen und die Schützen erhielten hieraus ihren Anteil. Meistens zum Patronatsfest wurde vom Kellermeister und dem Präsident des Winzervereins sowie dem Hauptmann im Keller der Genossenschaft aus dem großen Fassbestand der Anteil der Schützen ausgewählt. Je nach Jahr konnte das Portugieser oder Spätburgunder sein. Auf dem Etikett der Schützengesellschaft wurde zu der Zeit die Traubensorte noch nicht vermerkt. Dort stand lediglich „Schützentrunk“.

    Bis zum Jahre 1977 wurden die Weine im Ahrweiler Winzerverein nach diesem Procedere hergestellt.
    Von 1977 bis zum Jahre 1988 wurde die Trauben zum Weinhaus Wilhelm Schäfer geliefert und hier ausgebaut. Schon seit 1963 kümmerte sich der ehemalige Offizier des Hauptmannsgliedes, Otto Schäfer, als fachkundiger Berater um die Betreuung der Weine seitens des Verwaltungsrates.
    Nun, nach dem die Trauben in das Weingut Schäfer geliefert wurden, baute Otto Schäfer die Weine mit hoher Fachkenntnis und sehr viel Engagement zum Wohle der Gesellschaft aus.

    Da ab dem Jahr 1971 nach dem Weingesetz die Bezeichnung und Kennzeichnung auf dem Etikett nicht mehr wie bisher erlaubt war, wurde die Schützengesellschaft als Weinbaubetrieb mit eigener Betriebsnummer angemeldet. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Schützengesellschaft den Status eines eigenen Weingutes und unterlag damit der Weinkontrolle. Der Wein und auch der Ausweis auf dem Etikett mussten von nun an den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Weine einer Schützengesellschaft – auch für die Mitarbeiter der Weinkontrolle ein Novum, dass man sehr interessiert beobachtete.
    Im Jahre 1989 gab Otto Schäfer den Ausbau der Weine ab.

    Bis zum heutigen Tage sind nunmehr die Gebrüder Frank und Marc Adeneuer für die hervorragende Qualität unserer Weine verantwortlich. Dazu aber gleich noch ein paar Worte mehr.

    Liebe Schützenbrüder, soweit die rein geschichtliche Begründung, warum denn unsere Gesellschaft eigene Weinberge und eigenen Wein hat. Die historische Verantwortung ist sicherlich ein gewichtiges Argument, diese Tradition fortzusetzen. Aber die Feststellung „Dat wor at immer suu“ ist für sich allein kein ausreichender Grund.

    Also schauen wir einmal weiter auf die kulturellen Aspekte. Wir sind in eine Kulturlandschaft geboren bzw. haben hier unsere Heimat gefunden, die schon seit jeher vom Wein geprägt war. Die Römer haben uns die roten Trauben und die Weinherstellung gebracht. Und beides ist uns bis zum heutigen Tage erhalten geblieben. Aber was das Besondere ist, dass die Menschen, die hier lebten und leben, vom Wein geprägt sind.

    Über Jahrhunderte waren die Mitglieder unserer Gesellschaft auf das Engste mit den Weinbergen und dem Wein verbunden. Winzer, Weinbergsbesitzer, Weinhändler und Küfer waren Mitglied unserer Gesellschaft und haben von und mit den Reben und dem Wein gelebt. Und noch heute haben wir Mitglieder in unseren Reihen, denen der Umgang mit dem Wein und den Weinbergen im täglichen Leben sehr vertraut sind.
    Als Winzer im Haupt- oder Nebenerwerb, als Gastronomen, die von den Menschen leben, die gerade wegen unserer Kulturlandschaft in unsere Stadt kommen.

    Auch wenn die meisten unter uns heute nicht mehr unmittelbar vom Wein leben, so haben doch viele von uns eine enge Beziehung dazu: Weil Vater oder Großvater Winzer waren und man in frühen Jahren die Arbeit im Weinberg oder im Keller erleben durfte. Erinnerungen bleiben und prägen.

    Und wenn wir an Schützenfest von „Glaube, Sitte, Heimat“ sprechen, dann wird hier Heimat nicht zur Floskel, sondern konkret. Es sind die Weinberge und der Wein, die uns als Menschen hier mit prägen, und die uns unser Schützenfest so leben und erleben lassen, wie wir es heute tun. Nicht mit „Bier und Korn“, sondern in vertrauter Runde bei einem guten Glas Rotwein. Eine andere Art von Miteinander kommt hier zum Tragen.

    Damit ist unsere Gesellschaft auf das Engste verbunden, mit dem, was sich über Jahrhunderte hier entwickelt.
    Es ist gelebte Heimat.
    Und Hand auf Herz: Nur die Wenigsten unter uns könnten sich sicherlich vorstellen, dass wir einen Trinkzug mit Bier veranstalten.
    Und noch eins kommt hinzu: Wir sind die einzige Schützengesellschaft in Deutschland, die gesellschaftseigenen Weinbau betreibt. Gefühlt sind wir sogar die einzige weltweit.

    Aber verlassen wir nun die  kulturelle Seite und wenden uns den Sachargumenten zu.
    Eine Gesellschaft wie die unsrige hat auch Menschen, die mit hohem Sachverstand sich dem Thema Wein und Weinberg widmen. Und dies auch gerne tun.
    Seit den sechziger Jahre hat – wie bereits erwähnt - der ehemalige Offizier des Hauptmannsgliedes, Otto Schäfer, sich mit seiner hohen fachmännischen Sachkenntnis über 25 Jahre lang um den Wein der Bürgerschützen gekümmert bzw. ihn sogar später selber ausgebaut.
    Zum Ende der 80er Jahre hat er die Aufgabe – auch dies habe ich bereits erwähnt - übergeben an die Gebrüder Marc und Frank Adeneuer. Bis zum heutigen Tage wird hier der Wein in hervorragender Qualität hergestellt.

    Wir können uns dankbar schätzen, dass mit den Gebrüder Adeneuer sich eine Fachkompetenz um den Ausbau unserer Trauben kümmert, die zur Spitzenklasse unter den deutschen Rotwein-Winzern zählt. Auszeichnungen auf höchstem Rang für das VdP-Weingut Adeneuer sind hierfür der Beweis. Und wer die beiden Marc und Frank kennt, weiß, dass es beim Ausbau des Schützenweines für sie keine „Light-Version“ gibt. Sie geben unserem Schützenwein die gleiche Handschrift wie ihren eigenen.

    Unsere Gesellschaft ist daher bis zum heutigen TageOtto Schäfer sowie Marc und Frank Adeneuer zu großem Dank verpflichtet.

    Und es hat immer Menschen innerhalb des Verwaltungsrates gegeben, die ihren Sachverstand in die Entscheidungsfindungen rund um das Thema Wein eingebracht haben.  Aktuell haben wir zwei Verwaltungsratsmitglieder, die sich hauptberuflich mit dem Wein beschäftigen. Daneben gibt es aber auch Nebenerwerbswinzer, die sich gleichfalls fachlich einbringen. Starke Stimmen im Verwaltungsrat, die bei Entscheidungen uns als Gesellschaft die nötige Sicherheit geben.

    Nicht unerwähnt bleiben sollen aber auch diejenigen, die sich sonst in irgend einer Weise um Wein und Weinberge über das Jahr hinweg kümmern: in der Bearbeitung der Weinberg Dieter und Thomas Hüttig, bei der Ernte viele viele Helfer und in der Weinverwaltung Jochen Ulrich und Hans Fuhs. Viele gute engagierte Hände tragen dabei zum Erfolg bei.  

    Nun habe ich als Schatzmeister, der im Bankwesen zu Hause ist, auch immer die ökonomische Brille auf. Und alle Argumente, die ich soeben für die eigenen Weinberge und den eigenen Wein vorgebracht habe, haben aber nur dann Gewicht, wenn sie im Interesse der Mitglieder auch wirtschaftlich vertretbar sind. Jedes Mitglied unserer Gesellschaft muss sich darauf verlassen können, dass mit den Mitgliedsbeiträgen gut gehaushaltet wird und nicht lieb gewordene Traditionen nur durch Beitragssubventionierung am Leben bleiben.

    Unsere Gesellschaft verzehrt im Jahr auf den verschiedensten Veranstaltungen rund 1.500 bis 1.700 Flaschen Wein. Daneben kommen noch rund 350 Flaschen Wein, die als Krankenwein für die Schützenbrüder, die aus Krankheitsgründen nicht an unseren Veranstaltungen teilnehmen können, oder als Geschenke, für Jubilare, Helfer oder zu Repräsentationszwecken, weitergegeben werden. Also rund 1.800 bis 2.000 Flaschen brauchen wir letztendlich jedes Jahr für uns selbst.

    Den Wein, den wir nicht selber verbrauchen, geben wir in den Verkauf an die Mitglieder, jedoch unter der Berücksichtigung von steuerrechtlichen Begrenzungen.
    Dabei wird der Verkaufspreis so kalkuliert, dass der Weinverkauf auch einen Überschuss erwirtschaftet. Dieser Überschuss reduziert die verbleibenden Selbstkosten für den Wein, den wir selber verbrauchen. Der Verkaufspreis muss für die Mitglieder vertretbar sein. Er darf aber nicht dazu führen, dass zu Lasten der Mitgliedsbeiträge äußerst günstige Verkaufspreise subventioniert werden.
    Selbstverständlich erhalten die einzelnen Züge für den Verzehr bei eigenen, internen Veranstaltungen den Wein zu einem günstigeren Preis. Auch dies ist nur gerecht.
    So bleibt im Endeffekt für den Wein im Eigenbedarf ein Einstandspreis, der zwischen 4,00 € und 4,50 € liegt. Diese Bewertung unterliegt natürlich von Jahr zu Jahr Schwankungen, die durch die Erntemenge, den Eigenverzehr und die Verkaufsmenge bestimmt werden.

    Jedem wird nun sicherlich einleuchten, dass wir für einen solchen Preis keinen Wein mit solcher Qualität an der Ahr käuflich erwerben könnten. Selbst wenn wir Abstriche bei der Qualität hinnehmen würden, wäre dieser Einstandspreis beim Einkauf an der Ahr nicht zu halten.

    Und ein weiteres ökonomisches Argument:
    In Zeiten, die währungspolitisch in Europa aber auch global äußerst schwierig sind, ist es richtig, dass auch unsere Gesellschaft in Sachvermögen investiert ist.
    Dies ist Wertsicherung im Interesse der jetzigen und zukünftigen Generationen der Bürgerschützen.

    Lieber Schützenbrüder,
    damit wird das Bild rund. Historisch gewachsen, auf emotionaler Tuchfühlung mit unserer Heimat, mit Menschen, die viel von der Sache verstehen und sich einsetzen, wirtschaftlich mehr als vertretbar. Somit ergibt sich für mich die Erkenntnis, dass ist es vollkommen richtig, dass wir Bürgerschützen eigene Weinberge haben und unseren eigenen Wein trinken.

    Liebe Schützenbrüder,
    lasst uns daher gemeinsam unseren eigenen Wein aus ganzem Herzen genießen. Wir können es mit gutem Gewissen tun. 2009er Ahrweiler Forstberg Spätburgunder trocken, 2009 er Blanc de Noire trocken oder 2008er Ahrweiler Spätburgunder halbtrocken haben wir heute Abend im Glas. Erheben wir nun gemeinsam das Glas zum Wohle und stoßen an.

    Lasst uns diese Weine schmecken, denn, um unseren Oberleutnant Marc Adeneuer zu zitieren, „der Neue wächst schon wieder“.

    Sehr zum Wohle