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Der historische Trinkzug

Der historische Trinkzug in Ahrweiler findet in der Nacht von Dreifaltigkeitssonntag bis zum Montagmorgen statt. Nachdem der Königsschuß gefallen und der König der Sebastianer im Festzelt feierlich proklamiert worden ist, beginnt in Ahrweiler der berühmte Trinkzug. Dieses alte Brauchtum ist in der rheinischen und deutschen Landschaft einmalig.

Dieser Brauch des Trinkzuges hat zwei geschichtliche Wurzeln. Der Trinkzug ist einmal ein Zeichen der Dankbarkeit, die die Bürger den Schützen zollen. Fast 400 Jahre lang hatten die tapferen Schützen jedem Feind den Eintritt in die Stadt verwehrt. So verjagten die Schützen in der Fehde der Rotärmel (1329 bis 1331) die räuberischen Truppen des Simon von Kempenich, der auch der „Senger" (Brenner) genannt wird, aus der Gemarkung. Im Jahre 1372 eroberten und schleiften die Schützen die Burg Neuenahr, die der Graf Johann von Neuenahr zu einem Raubritternest gemacht hatte. Im Kampf der „Böcke und Wölfe" wurde Ahrweiler im April und Mai 1474 drei Wochen lang von den „Böcken" und Burgundern belagert. Die tapferen Schützen und die starken Mauern zwangen die Belagerer zum schmachvollen Abzug. Die Steinkugeln im Obertor, die damals als Steinbomben in die Stadt geschleudert wurden, erinnern uns heute noch an die dreiwöchige Belagerung.

In friedlichen Zeiten vertrieben die Schützen aus den heimischen Wäldern Diebe und Räuber, aber auch Wölfe und Eber. Die Schützen begleiteten die Kaufmannszüge von Ahrweiler nach Köln und Bonn. Besonders den langen Wagenkolonnen, die den Zehnten von Ahrweiler nach Prüm fuhren, gaben sie sicheres Geleit.

Besuchte der Landesherr, der Kurfürst und Erzbischof von Köln, seine Mithauptstadt Ahrweiler, so gaben ihm die Ahrweiler Schützen auf dem Hin- und Rückweg ein Ehrengeleit, das in unruhigen Zeiten auch ein Schutzgeleit war. Wenn die Schützen aber den höchsten König, Christus, bei der Fronleichnamsprozession begleiteten, so war dies das höchste Ehrengeleit, das aber kein Schutzgeleit war, da im Mittelalter die Fronleichnamsprozession nur innerhalb der Stadtmauer über die Wälle führte. Das Ehrengeleit für den höchsten König wurde jedoch zum Schutzgeleit, wenn in Notzeiten die Bittprozession vom Martinskreuz im Süden bis zum Holzweiler Kreuz im Norden führte, um Gottes Segen über Stadt und Land herabzuflehn.

Aus Dankbarkeit für die Verdienste der Schützen um die Stadt in Kriegs- und Friedenszeiten ist ein solcher Trinkzug schon berechtigt. Aber wie kommt es, daß die anderen rheinischen Städte, deren Schützengesellschaften für das Stadtleben gleiche Bedeutung hatten, den Trinkzug nicht kennen?

In Ahrweiler lag ein Modell des Trinkzuges vor, und dieses Modell ist die stärkste Wurzel des Trinkzuges. Am 1. Mai eines jeden Jahres wählten die Ahrweiler Schöffen und Ratsherren den Bürgermeister. Diesen stellten sie nun im ersten und zweiten Jahre auf dem Prümer Hof vor. Das war ein kurzer Weg von rund 50 Schritten, vom Rathaus, das südlich der Kirche lag, bis zum Prümer Hof (heutiges Verkehrsamt). Im dritten Jahr wurde der Bürgermeister auf dem Blankenheimer Hof vorgestellt. Dieser Zug war schon länger. Er führte an der Marktmühle vorbei, über die Rausch zum Blankenheimer Hof auf der Schützbahn (heute Haus und Hof Noppeney).

In jedem Hof wurden die 20 Gäste mit Speis und Trank bewirtet. Jedoch ergab sich eine Mißstimmung, weil der Prümer Schultheiß das Amt des Bürgermeisters als ein Prümisches Abtslehen betrachtete, was aber den Ahrweiler Schöffen und Ratsherren mit Recht mißfiel; denn sie sagten sich, daß sie doch den Bürgermeister zu wählen und ihm sein Amt zu übertragen hätten. Die Vorstellung auf dem Prümer und Blankenheimer Hof geschehe nur der Vorstellung wegen, damit dem Bürgermeister seitens der Hofleute die gebührende Achtung entgegengebracht werde.

Um nun Streitereien aus dem Wege zu gehen, stellten die Schöffen und Ratsherren den Bürgermeister auch auf den übrigen 22 Kloster- und Herrenhöfen vor. Nach einem schriftlich festgelegten Protokoll besuchten sie am ersten Tag zwölf und am zweiten Tag zwölf Höfe, auf denen sie jedesmal mit Speise und Trank bewirtet wurden.

Dies war nun der erste Eß- und Trinkzug in Ahrweiler, das Modell für die Schützen. Nach Meinung der Schützen mußte, wenn der Bürgermeister schon vorgestellt wurde, auch ihr König entsprechend geehrt werden. Deshalb stellten sie ihren König auch auf den 24 Höfen, dazu aber auch bei den Kaufleuten und Winzern der Stadt vor. Da die Schützen aber zu Hunderten rundzogen, konnten sie nicht in die Häuser eintreten, sondern wurden vor den Häusern bewirtet. Um nicht zwei Arbeitstage opfern zu müssen, hielten sie ihren Trinkzug in der Nacht. Vom Verlauf des Schützenzuges möge Ernst Karl Plachner, unser heimischer Dichter, berichten:

"Der Hauptmann, der Fähnrich undso weiter, Sie nippen vom Festtrunk ernst und heiter. Da naht der König mit würdigem Schritte; Seht nur, er steht in anmut'ger Mitte: Die Mutter und ihre Töchter daneben. Seht freundliche Hände den Becher ihm heben! Ein herzliches Wort, ein lächelnder Dank und duftende Rosen zum Ehrentrank. Das ist ein Fest, wie selten eines, voll Schimmer und Glanz und feurigem Wein! Schon färbt sich der Himmel im blitzenden Strahl, da schallt noch der Jubel im lieblichen Tal. Noch Trommeln, Trompeten irgendwo - Und selbst im Schlafe lächelst du froh."